Tannöd

Image credit: Constantin Film

Tannöd

Von Ingo Richter

Der Plot klingt erstmal interessant: Auf einem Hof im tiefsten Bayern passiert ein mysteriöser sechsfacher Mord. Die Dorfgemeinde ist geschockt. Zwei Jahre später kommt die Tochter einer jüngst verstorbenen Magd ins das Dorf um ihre Mutter zu beerdigen. Dort stößt sie auf dieses Rätsel um den Mord und dann beginnt die Suche.

Was hat man von dem Film zu erwarten?

Spannung bei der Suche nach dem Mörder? Grusel in der bayerischen Einöde? Nichts davon, es gibt nur blanke Langeweile! Ein Grund dafür sind die Dorfbewohner. Authentizität ist wichtig, das möchte ich gar nicht bezweifeln, wenn man aber jeden zweiten Satz nicht versteht, weil die Schauspieler einen bayerischen Dialekt sprechen, dann macht der Film nach 30 Minuten schon keinen Spaß mehr.

Der nächste Schwachpunkt ist die Hauptdarstellerin, Julia Jentsch. Sie spielt die zurückgekehrte Tochter. Die ersten 20 Sätze, die sie als Kathrin spricht (und sie spricht nicht oft!) klingen richtig schlecht auswendig gelernt. Hätte ich in der Schule ein Gedicht mit solcher Betonung vorgetragen, meine Deutschlehrerin hätte mir bestenfalls eine Drei verpasst. Sie wirkt in ihrer ganzen Rolle blass und irgendwie fehl am Platz. Andauernd sitzt oder steht sie da, wie ein junges Reh mit großen Augen und lässt sich von den Bewohnern zutexten.

Die Bewohner sind auch so eine Sache für sich. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren und der Besuch der Tochter passiert zwei Jahre nach dem Sechsfachmord. Ein Täter wurde bis dahin nicht gefunden und das Dorf verdrängt die Geschehnisse. So kommt das aber im Film nicht rüber. Die Schwester (Monica Bleibtreu) der ermordeten Magd will unbedingt den Mörder finden und textet Kathrin unentwegt zu. Das ist ja auch okay. Aber wenn sich dann das halbe Dorf beim Leichenschmaus gegenseitig beschuldigt und sich die ganzen Abgründe vor einer Fremden, die gerade ihre Mutter beerdigt hat, offenbaren, kann das Verdrängen nicht so groß sein.

Auch sonst hat man das Gefühl, dass das Dorf seit Kathrins Ankunft nur noch das eine Thema hat, obwohl sie eigentlich nicht direkt in die Morde verwickelt ist. Oder doch? Es gab einige Stellen im Film, da wurde über ihren Vater spekuliert, aber die habe ich leider nicht verstanden. Es gab keinen Untertitel.
Auch mit Untertitel wäre die ganze Geschichte nicht besonders spannend. Einen Mörder gibt es zwar, aber wieso und weshalb er mal eben sechs Menschen dahinmetzelt? Das weiß er nicht einmal selbst.

Mein ernst gemeinter Tip: Lieber die Zeit mit einem anderen Film verbringen.

Die Filmstarts-Kritik konzentriert sich meiner Meinung nach zu sehr auf die Romanvorlage.