Nokia Lumia 800 (Teil 2)

Von Ingo Richter

Die Oberfläche von WP7 basiert zu großem Teil auf Wischen. Die Office App hat drei Bildschirme: Notizen, Dokumente und Speicherort. Man wischt zwischen ihnen hin und her und kann sich sogar im Kreis wischen, vom dritten zum ersten und umgekehrt, ein Endpunkt gibt es nicht.

Auch z.b. der Marketplace hat die gleiche Art der Navigation und irgendwie die meisten Apps, die ich ausprobiert habe. In der Facebook App wischt man zwischen Fotos, Benachrichtigungen und Neuigkeiten hin und her, was in der iPhone Version mit einem aufklappbaren Menü gelöst ist.

Apps wie Facebook, n-tv oder Filmstarts machen exzessiv Gebrauch vom Windows Phone 7 Standard-Design: ¼ des oberen Teil des Bildschirms ist eine Art Tab-Menü mit Kopfzeilen-Design und darunter erstreckt sich der Inhalt. Dieses Design hebt sich klar vom iPhone und Android ab. Da gibt es mittlerweile auch ziemlich schicke Tabellen-Layouts, aber so konsequent wie in WP7 waren sie nie Teil des Designkonzepts.

Windows-Smartphones haben einen Zurück-Button, aber bei einigen wenigen Apps kann man nach rechts endlos Wischen, wohingegen bei der linken Seite irgendwann Schluss ist und man zum Hauptmenü gelangt. Manchmal ist es etwas verwirrend mit einer App-internen Geste das Programm zu verlassen.

Ansonsten hat mir sehr die angenehme Geschwindigkeit gefallen. Auf Wischen und Tippen reagiert der Bildschirm und das System sofort. Oder zumindest merkt man, dass das System an einigen Stellen kurz laden muss, also die Ich-mache-was-Information erscheint sofort. Bei Android hat man manchmal das Gefühl, dass die Eingabe nicht sehr flink bearbeitet wurde, ein Phänomen, welches das Butter-Projekt von Google beheben soll.

Über das Design des System kann man geteilter Meinung sein. Einige finden es zu sehr minimalistisch und schlicht. Ich mag das aufgeräumte und klare daran. Die Schriftart ist z.b. sehr angenehm und die Buttons bzw. Symbole mag ich auch. Die Kacheln von Windows- und Nokia-Apps sind in den Systemfarben gehalten und meist sehr eindimensional. Apps, die individuell aussehen, mag ich gar nicht gerne in meiner Kachelleiste. Das ist vielleicht nur eine Ansichtssache, aber wenn ich acht weiß-hellgrüne Kacheln habe und dazwischen zwei seltsam-bunt sind, beißt sich das irgendwie. Da bei Android und Apple die Icons generell bunter sind, fallen solche eventuell unangenehmen Unterschiede weniger auf.

Zurück zu Nokia

Es werden von mir keine weiteren Berichte zum Lumia 800 folgen. Das Smartphone bekam ich ausgeliehen, weil ich eventuell eine App für Windows Phone 7 machen wollte. Diese Aktion von Nokia gibt es seit Anfang des Jahres für Softwareentwickler.
Die erste Deadline war Juni, bis dahin sollte man eine App fertigstellen. Da ich mich zu dieser Aktion aber auch erst sehr spät anmeldete, war dieser Termin nicht einzuhalten. Man sagte mir jedoch, einige Wochen später wären auch nicht tragisch. Nun kam vor einigen Tagen eine Email und die Aufforderung bis Mitte Juli den Link zur App zu schicken. Man könne die Frist zwar mit einer Begründung verlängern, aber so oder so wird nur die Leihfrist des Geräts verlängert, als Entwicklergeschenk wird man es nicht betrachten können.

Da haben es die Developer auf der Google I/O mit ihren vielen Geschenken definitiv besser. Aber so toll ist das Lumia nun auch nicht und an mein iPhone kommt es nicht einmal ansatzweise heran. Ein Kommilitone, der ebenfalls bei der Aktion teilnimmt, ist begeisterter als ich und will tatsächlich eine App entwickeln. Wobei er hofft, das Gerät am Ende doch behalten zu dürfen.

Fazit

Aha. Von Windows Mobile 6.5 zu Windows Phone 7.1 hat sich einiges getan. Doch mehr und mehr manifestiert sich die Erkenntnis, dass der Wert eines Gerätes eben nicht aus seinem Design, seiner verbauten Technik oder der Betriebssystem besteht, sondern zu einem Großteil aus der Vielfalt und Qualität der erhältlichen Programme dafür. Das ist ein Problem, an dem Microsoft hart arbeiten muss, auch mit Windows 8. Es müssen einfach wesentlich mehr und wesentlich bessere Apps in den Marketplace.
Oder anders gesagt: Ich glaube nicht, dass Windows 8 auf mobilen Geräten, insbesondere Smartphones, Android Konkurrenz machen kann. Da gibt es zu viele billige Alternativtelefone, die zwar nichts können und im Low-Budget-Bereich angesiedelt sind, aber auch eben genau dort ihre Kunden finden. Es gibt genügend kostenlose Schrott-Apps und das ist auch okay für die Zielgruppe, aber eine weiteres Billig-System braucht da keiner.

Microsoft muss die Entwickler dazu bringen gute, qualitative Apps zu bauen.