Android 4.1

Von Ingo Richter

Der Juni ist irgendwie ein toller Monat. Zuerst die WWDC von Apple, dann präsentiert Microsoft Neuigkeiten und hält seine Entwicklerkonferenz ab und der Abschluss bildet die Google IO. Ich möchte einige Worte zum neuen Android 4.1 und Galaxy Tablet loswerden.

Das positive zuerst. Die Butter soll Android zum flutschen bringen, genauer gesagt das Project Butter. Man hat ganz richtig erkannt, dass die Bedienung eines selbst leistungsstarken Android Telefons immer noch leicht ruckelig ist und nicht so flüssig wie bspw. ein iPhone. Liegt das einerseits auch an Java und der VM, versucht Google diesem Problem mit einigen Tricks Herr zu werden. VSync drosselt den Grafikchip und Tripple Buffering berechnet Bilder vor. Stolz wurde ein Superzeitlupenvideo gezeigt und das lässt auf jeden Fall Hoffnung aufkommen.

Eine Spracherkennung ist für Android nun sogar offline zu haben. Auf jeden Fall cool, wenn auch nur für Englisch sprechende Menschen. Wie sich das in der Realität behaupten kann, bleibt abzuwarten. Ansonsten gab es Veränderungen bei den Widgets (automatische. Größenanpassung), die Benachrichtigungsleiste hält mehr Informationen bereit und eine App namens Google Now soll persönlicher Assistent werden und selbstständig dem Benutzer kluge Dinge vorschlagen. Besonders letzteres bereitet mir in Bezug auf Googles Geschäftsmodell ein wenig Bauchschmerzen.

Kein Mittel gegen Fragmentierung

Worüber ich mich geärgert habe, ist die Ankündigung, dass das Galaxy Nexus, Nexus S und Xoom irgendwann ein Update auf 4.1 erhalten. Dass ein gerade mal 15 Monate altes Galaxy Nexus ein Update bekommt, ist ja wohl klar. Aber was ist mit den anderen Mobiltelefonen? Viele haben erst vor kurzem auf 4.0 gewechselt, wenn überhaupt. 83% aller Android-Telefone laufen noch auf 2.2 oder 2.3.3! Da kann sich Google noch so sehr feiern, dass es 400 Mio. Android-Aktivierungen gab, für die Entwickler ist diese Zahl kein Grund in Freudenjubel auszubrechen.

Mehr und mehr werden Android-Smartphones zu Low-Budget-Telefonen, die vor allem Menschen kaufen, die nur was zum telefonieren brauchen. Gegen diese Art Nutzung ist nichts zu sagen und es war auch klar, dass Android Nokia in diesem Bereich ablösen wird. Aber dass von diesen 400 Mio. Smartphones 330 Mio. mindestens 9 Monate alte Software nutzen, teilweise (80 Mio.) über 2 Jahre alte, ist ganz schön heftig. Von Googles vollmundigen Versprechen, dass Smartphones 18 Monate lang mit Updates versorgt werden, hörte man auch nie wieder etwas.

Diese Vergleiche sind vielleicht doof, aber was bleibt mir anderes übrig? Das im Herbst erscheinende iOS 6 wird sogar noch das iPhone 3GS unterstützen und das erschien vor ziemlich genau 3 Jahren. Es wird zwar nicht jede Neuerung haben, was vor allem an der technischen Ausstattung liegt, aber solch wichtige Dinge wie Google Butterprojekt würde es auch implementieren.
Als Entwickler für iOS, stürze ich mich voller Freude in die Anpassungen meiner Apps für iOS 6 und im Herbst werde ich in wenigen Wochen ca. 200 Mio. potentielle Kunden haben, die alle auf das neue System updaten. Als Android Entwickler habe ich Ende des Jahres optimistische 30 Mio. potentielle Kunden, die die Neuerungen meiner App auch tatsächlich nutzen können.

Ja, Google hat auch einige tolle Entwickler-Tools vorgestellt und darüber freut man sich natürlich, aber das größte Problem bekommen sie einfach nicht in den Griff. Das ist nur Schade.
Es bleibt auch zu hoffen, dass das Galaxy Tablet ein wenig Schwung in den Android Tablet Markt bringt. Der Kindle Fire räumt ja nicht so besonders ab und spielt sowieso in einer ganz anderen Liga. Es ist eine gute Idee, die Preise bei 200$ starten zu lassen. So kann man Android Tablets erstmal an den Mann bringen und später bessere herausbringen, die größer sind und auch mehr kosten dürfen.