App: You Need A Budget

Von Ingo Richter

Ich kann einigermaßen gut mit Geld umgehen. Der große Sparer werde ich vermutlich nie werden, aber am Ende des Monats auch nicht chronisch pleite.

Am wichtigsten ist mir eine Übersicht meiner finanziellen Mittel. Lange Zeit reichte eine Excel-Tabelle aus. Seit dem Studium und dem Zusammenleben mit meiner Freundin und jetzigen Verlobten, gestaltete sich das Tracking von Geld zunehmend schwieriger.

So lange man größtenteils das eigene Geld die meiste Zeit für sich selbst ausgibt, ist die Rechnung einfach. Einigen genügt der Posten Bargeld, andere möchten gerne zwischen Feiern gehen und Lebensmittel unterscheiden (denn ersteres kann man stark reduzieren, letzteres eher weniger).
Doch wie managt man Geld in einer Beziehung? Mal bezahlt der eine, mal die andere? Das funktioniert so halbgut, zumindest war das bei uns so. Der Wunsch nach einer gewissen Struktur ist prinzipiell nicht verkehrt und so wurden Kassenbons markiert und der/m Zahlenden zugeordnet. Das lief insgesamt aber auch nicht prächtig, zu oft verlegt man die Belege.
Der ultimative Schritt musste gemacht werden: Ein gemeinsames Konto!

Gemeinsame Finanzen

Ins gemeinsame (Haushalts-)Konto zahlt jeder jeden Monat eine Summe ein und vom Konto werden gemeinsame Ausgaben abgebucht (Miete, Strom, Internet). Für die alltägliche Dinge kann jeder Bargeld vom Haushalts-Konto abheben, denn zu 95% sind die Bargeld-Ausgaben sowieso gemeinsame Ausgaben.
Bis zu diesem Zeitpunkt nutzte ich schon seit einigen Jahren nicht mehr die Excel-Tabelle, sondern das Programm iFinance. Es kann die Buchungen direkt vom Online-Banking laden und dient natürlich auch dem manuelles Tracking von Geld. Leider war das UI nie besonders großartig und in den letzten Jahren gab es auch keine Weiterentwicklung1. Außerdem ist die iOS App ebenfalls veraltet und das Synchronisieren zu umständlich.
Kurz: Ich war nie so richtig zufrieden und schob meine Buchhaltung stets hinaus.

Es gibt einige mehr oder weniger umfangreichen Finanz-Apps für iOS, aber komplett auf eine Desktop-App wollte ich nicht verzichten. Für das Tracking sind kleine, alltägliche Ausgaben problematisch, vor allem wenn es keinen Kassenbon oder Beleg gibt. Man vergisst sie und das addiert sich bis zum Ende des Monats zusammen. Dann können auch schon mal mehr als 50€ "verschwinden". Für diese Art Ausgaben wäre eine schlanke App genau das richtige.
Das klang nach einem interessanten Hobby-Projekt und ich begann mit Mockups. Doch bevor ich genug Zeit zum Entwickeln fand, erschien im Januar 2015 die neue Version der iOS App Saved. Das war genau die App, die ich bauen wollte! Mit ihr konnte man sehr schnell und bequem Ausgaben notieren und sie später auch exportieren.

YNAB

Seit Januar haben wir unsere Bargeld-Ausgaben wesentlich besser im Blick. Die Daten müssen trotzdem irgendwann in iFinance gepflegt und mit den gesammelten Bons verglichen werden. Eine mühselige Arbeit, die ich weiterhin vor mir herschob.
Als es vor einigen Wochen mal wieder so weit war, musste ich an YNAB denken. Schon vor Monaten hatte mir meiner guter Freund Florian dieses Programm empfohlen. Es läuft auf Mac, Windows und hat auch eine mobile App - einen Versuch wäre es also wert. Wie der Name es ja auch schon sagt, hatte ich immer das Budget-Feature im Kopf. Man kann bestimmten Kategorien ein Budget geben und versuchen sich selbst zu zwingen, dieses einzuhalten. Das ist sicherlich nützlich, aber nicht mein Hauptanliegen und darin war auch meine bisherige Zurückhaltung begründet. Nun war ich aber verzweifelt genug um etwas Neues auszuprobieren. Und vielleicht kann man mit YNAB auch ganz gut das eigene Geld managen? Viel komplizierter als eine Excel Tabelle oder iFinance konnte es ja nicht sein.
Es stellte sich aber schnell heraus, es war nicht nur unkomplizierter, sondern auch wesentlich komfortabler!

Im folgenden einige Aspekte von YNAB.

Datenbank

Zu allererst muss man kein Benutzerkonto anlegen um die eigenen Daten auf irgendwelchen mysteriösen Servern zu sichern. Man speichert sie komplett lokal. Selbst wenn es Steine LLC, das Unternehmen hinter YNAB, eines Tages nicht mehr gibt, kann man immer noch die eigenen Budgets verwalten.

Möchte man zusätzlich die mobile App nutzen, benötigt man wiederum Dropbox. Sicherlich muss man Dropbox nicht blind vertrauen, aber es ist immer noch etwas anderes, als die eigenen Daten komplett auf fremden Servern in fremden Diensten liegen zu haben. Ein Passwortschutz der eigenen Budgets ist ein Feature welches es besser gestern als morgen hätte geben sollen. Bitte bald nachreichen!

Budget

Ein Budget in YNAB hat zwei Bedeutungen. Es ist prinzipiell das Verwalten von Geld. Ich würde ein Budget einer Person oder Gruppierung zuordnen. Deshalb verwalte ich aktuell 3 Budgets: Meins, das meiner Freundin und unser Haushalt-Budget.
Alle drei zusammen in einem Budget könnte man nur mit Mühe sinnvoll auseinanderhalten. In iFinance habe ich das versucht (mein Fehler) und bin fast verrückt geworden.

Die zweite Bedeutung bezieht sich auf eines der 3 Haupt-Features. Man teilt Einnahmen und Ausgaben verschiedenen Kategorien und Subkategorien zu und gibt jeder ein monatlichen Budget. Aber damit habe ich mich noch nicht ausgiebig beschäftigt. Meinem ersten Eindruck nach kann man die Budgets aber genauso schnell und bequem verwalten wie einzelne Transaktionen.

Accounts

Ein Account, also Konto, kann ein real existierendes sein, oder auch ein virtuelles, wie zum Beispiel Bargeld. Praktisch: Man kann für Buchungen von einem Account zum anderen in YNAB die Accounts referenzieren.
Ein Beispiel dazu: Ich erhalte auf mein normales Konto Lohn und möchte einen Teil davon auf ein Sparkonto verschieben. Für das Gesamt-Budget ändert sich gar nichts, egal wie oft ich das Geld hin und her schieben.
Das kann iFinance auch, aber aus Gründen war das für mich nicht sofort ersichtlich. Obwohl YNAB komplett in Englisch ist, sind viele Features einfach besser kommuniziert.

Transaktionen

Auch wenn man mit YNAB keine Infos vom Online-Banking laden kann, lassen sich Einnahmen und Ausgaben sehr schnell und bequem eintragen. Die Zuordnung zwischen Empfänger und Kategorie merkt sich das Programm im Hintergrund und macht entsprechende Vorschläge. Eine Supermarkt Rechnung in die Subkategorien Lebensmittel, Haushalt und Drogerie zu teilen ist ebenfalls einfach und schnell.

Ich habe in sehr kurzer Zeit viele Transaktionen der zurückliegenden Monate eingepflegt. Es hat sogar ein wenig Spaß gemacht.

App

Die iOS und Android App sehen sich ziemlich ähnlich und sind beide ziemlich gut. Die Dropbox-Synchronisierung ist sehr solide und arbeitet auch fleißig im Hintergrund. Man kann unterwegs schnell eine Transaktion einpflegen und hat auch eine ganz gute Übersicht der Kategorien. Oder anders ausgedrückt: Die App hat Saved für mich überflüssig gemacht. Fairerweise muss man zugeben, dass sich Saved ein wenig moderner anfühlt.
Die App von iFinance wurde dagegen seit Jahren nicht mehr gepflegt und kann die Datenbank nur Synchronisieren, wenn sich iPhone und Mac im gleichen WLAN-Netz befinden.

Reports

Am Ende mache ich das alles nur für die Auswertung, denn ein Tortendiagramm sagt mehr als tausend Zahlen. Man kann zwischen verschiedenen Reports wählen (nach Kategorien, nach Empfänger, Trend, Einnahmen vs. Ausgaben und Vermögem), erhält jeweils verschiedene Diagramme und kann Zeiträume, Kategorien, Empfänger und Konto anpassen. Die Diagramme sind interaktiv, so dass man schnell mehr Informationen zu den Subkategorien erhält.

Fazit

Ich kann sehr schnell mit YNAB arbeiten, was zum größten Teil an der guten UI liegt. Das Eintragen neuer Posten geht flüssig, selbst das Splitten in mehrere Subkategorien. Budgets lassen sich einfach verwalten. Die Reports sind aussagekräftig und können bequem angepasst werden. Dazu kommen die bessere mobile App, Dropbox-Synchronisierung und die alternative Windows App.

Ich würde sagen, dass iFinance viele der gleichen Features mitbringt und teils noch mehr (Online-Banking Synchronisierung), diese aber leider versteckt. Auch wenn YNAB nicht das modernste 2015er-UI haben mag, ist es jedoch wesentlich moderner und auch das Arbeiten macht deutlich mehr Spaß als mit iFinance. Alles fühlt sich mehr auf den Punkt gebracht an.
Ich habe in wenigen Tagen drei Budgets angelegt, jeweils mit Buchungen von September 2014 bis heute. Ich bin fast ein wenig traurig, dass es von jetzt an wieder langsamer voran geht.

Saved ist eine sehr gute App, aber eher der kleine Bruder von YNAB und deshalb würde ich sie auch meinem kleinen Bruder (haha) empfehlen. Man kann ein Wochenbudget festlegen und die Ausgaben in einfache Kategorien unterteilen. Dazu gibt es ein paar nette Diagramme. Die Daten liegen in der iCloud und können bei Bedarf als CSV exportiert werden. Die UI ist klasse und durchdacht. Leider existiert nur die iOS App. Wer also mehr Informationen über sein Geld verwalten möchte, muss sich bei mächtigeren Apps umschauen (siehe YNAB!).

Ich weiß nicht ob ich in naher Zukunft meine Finanz-App wechseln werde. Aktuell bin ich sehr zufrieden mit YNAB.

  1. Zur Zeit (Juni 2015) ist eine neue Version von iFinance im Beta-Status. Ich habe mir die Beta 4 kurz angeschaut. Das Design ist moderner, aber auf keinen Fall 2015-modern. Die Farben sind knallig, die verwendeten Icons zu detailliert. Das Programm mag komplett neu programmiert sein, der grundlegende Programmaufbau ist aber gleich geblieben. Nur neue Transaktionen befinden sich nun seitlich rechts und die einzelnen Attribute trägt man vertikal ein. Das Splitten ist immer noch umständlich. Und wieso werden überhaupt Aktien angezeigt?